Die scheinbare Sicherheit von RAID Systemen und komplexen Serversystemen in der niedergelassenen Praxis

RAID-Systeme lösen Backupproblematiken überhaupt nicht, da Fehler, Verluste und versehentliche Löschungen einfach "sicher mitgespiegelt" werden. RAID Systeme erhöhen nur die Verfügbarkeit der Daten.

Die statistische Ausfallwahrscheinlichkeit von genau einer Festplatte im RAID 5 Verbund (von 3 oder 5 Platten) ist selbstverständlich auch mindestens 3- bzw. 5- mal höher, als bei einer Einzelplatte. Da auch bei einer einzelnen defekten Festplatte ein Ersatz schnellstens erfolgen sollte, erhöht sich also auch die Supportwahrscheinlichkeit um mindestens den Faktor 3 oder 5. Dies freut maximal den IT-Dienstleister.

Es vergrößert sich also das "Supportfenster" für den Eingriff, weil man noch ein paar Stunden warten kann, bis alles ausfällt.  Die Gesamtverfügbarkeit des Systems nimmt prozentual zu, die Gesamtfehlerquote steigt dagegen aber viel dramatischer. Die Erhöhung der Gesamtverfügbarkeit ist der Grund, das RAID Systeme regelmäßig in Rechententren zum Einsatz kommen. Für 24/7 Systeme (Notfallklinik, Radiologie, Intensivstation)  ist dies ein kleiner Baustein, aber allein völlig unzureichend. Dort braucht man echte Hochverfügbarkeit aller Systeme, diese erreicht man ohnehin nicht mit einem Server + RAID, sondern mit HA Lösungen.

In einer  Arztpraxis ist es eher von Bedeutung, dass eine Festplatte schnell von einem Gerät in ein anderes Gerät gesteckt werden kann. Dann sollte die Platte auch mit "Hausmitteln" lesbar sein. Daher ist "kein RAID" oder maximal ein RAID-1 (einfache Spiegelung) die bessere Alternative zu einer neuen künstlichen Abhängigkeit von komplexer und überteuerter Technik. Eine SATA Platte umbauen, dies  kann man preiswert selbst erledigen, zumindest kann es der örtliche IT-Händler in sehr kurzer Zeit. An ein fremdes RAID-System wagen sich nur die ursprünglichen Lieferanten und dies meist nicht gerade günstig.

Eine häufige Fehlerquelle sind  die RAID-Controller, die (nach z.B. 2 Jahren) nicht mehr zu beschaffen sind und die Daten damit oft komplett verloren sind. Wenn es zum Controllerfehler kommt, Pech gehabt! Üblicherweise darf man dann einen (defekten?) Controller bei ebay.de ersteigern. Dies bedeutet ggf. eine Woche Ausfall - ohne Daten. Der IT-Dienstleister dürfte hier einige Tage beschäftigt sein und nicht umsonst arbeiten.

Völig ignoriert wird von den RAID Philosophen, dass ein System nur zu 20 % wegen einer defekten Platte ausfällt. Netzteile, Mainbords, CPU's fallen häufig aus! Auch hier ist eine Ersatzgerätebeschaffung mit RAID-5/6/10 Umbau eher ein Risiko als eine Hilfe. Passt den der Controller nebst Platten überhaupt in das Ersatzsystem und was ist dann noch auf den Festplatten? Wer möchte dafür haften? Ohne RAID ist ein Umbau in wenigen Minuten gemacht.

Einen echten und preiswerten Schutz vor Plattenausfall und kompletten Serververlust bieten nur qualifizierte (aktuelle, geprüfte und verfügbare) Backups, HA Systeme oder  die private(!!) Cloud.

Fazit:

Komplexe RAID 5/6/10 -Systeme haben in einer "normalen" Arztpraxis nichts zu suchen. Ein RAID-1 (Spiegelung) ist sicher sinnvoll und beherrschbar.

Echte Hochverfügbarkeit hingegen wäre oft sinnvoll.

Die Computerprofis unter den Ärzten können sich auch einen einschaltfertigen Ersatzserver zulegen. Anleitungen gibt es in einschlägigen Foren.